Mittwoch, 12. Juni 2013

Chillen auf der Palettenlounge

Chill doch! - ist zurzeit die Standardantwort vom Kind auf elterliche Anfragen und Anweisungen. Meine Spontanreaktion auf den Spruch erinnert, entgegen der darin enthaltenen Bitte, eher an das HB Männchen:


Brunos (ja, so hieß er) Lösungsstrategie steht mir aber - im Zeitalter des Nichtrauchers - selbstredend nicht zur Verfügung. Eine andere Entspannungsmethode muss also her. Und wozu habe ich schließlich einen Garten? Mit Hängematte! Auf die allerdings in der mittäglichen Zwangspause (lt. KleingartenVO von 13-15 Uhr) ein bisschen zuviel Sonne scheint. Die mich wiederum im Kopf so rammdösig macht wie eine von Brunos Schachteln.

Der einzig schattige Platz während der Mittagsstunden ist der recht unattraktive Laubenfreisitz, vom Vorgänger großzügig mit Betonplatten belegt und bislang Sammelplatz für allerlei Krimskrams und Schrott. Am liebsten würde ich die gesichtslosen Platten gegen einen individuellen Belag austauschen und ein schickes Sitz-Liege-Lounge-Möbel drauf stellen.

Das zukünftige Loungeareal!



So richtig Geld ausgeben zwecks Umgestaltung kam nach einem tiefen Blick in den Geldbeutel auf keinen Fall in Frage. Außerdem bin ich ein großer Fan von Up- und Recycling. Alles immer gleich wegwerfen ist blöd. Vorhandenes aufhübschen oft viel spannender. Und selber machen soundso.

Gesucht war also die Billig-Kreativ-und-Schön Lösung. In diesem Fall bestand sie aus zwei riesigen Paletten, jeweils 2x3 Meter, einer Papiertüte voller Spraydosen, einer Schablone und einem Besuch im schwedischen Möbelhaus.

Gut wenn man Freunde hat! Noch besser wenn es sich dabei um Werbetechniker handelt,
die sich freuen wenn man bei der Entsorgung überflüssiger Riesenpaletten behilflich ist :)
Auf dieser Monsterpalette wurden Stahlprofile für einen Unterstand geliefert und ohne uns
wäre ihr Schicksal die sogenannte thermische Verwertung (ab in den Ofen) gewesen.

Die 2,00 x 3,00 Meter Palette wurde mit Hilfe der Kettensäge in zwei "handliche"
2,00 x 0,75 Zentimeter Stücke zerteilt, aus der zweiten Palette wurden
die Rückenlehnen (1,00x0.80 und 1,00x1,50) zurecht gesägt.
Die Reste benötigten wir für die Verblendung offener Stellen.

Alle Teile wurden zunächst mit grobem Schleifpapier angeschliffen
und erhielten später einen Feinschliff mit feinem Schleifpapier.
Die Kanten und Zwischenräume wurden von Hand geschliffen. 

Dafür ging ein Päckchen sortiertes Schleifpapier aus dem Baumarkt
für 20 Euro drauf. Bislang unsere einzige Ausgabe. 

Winkel und Schrauben zum Verbinden der Palettenteile hatten wir noch
massig vom Gewächshausbau übrig. Wenn sie neu gekauft werden
müssen fallen dafür geschätzte 15 Euro an. 

Die Geräte haben wir uns im Freundeskreis ausgeliehen.
Der Stromerzeuger stammt vom freundlichen Gartennachbarn.
Bei der ganzen Aktion haben wir Benzin für 8 Euro verbraucht.

Ein weiterer Kostenfaktor war das Terassenmöbelöl. Das neue
Loungemöbel soll ja Wind und Wetter standhalten. 20 Euro haben
die zwei Dosen gekostet und genau gereicht für drei Anstriche.

Die wunderbare Verwandlung von der Betonplatte zur individuellen Fliese:
Die Datei für die Fliesenschablone habe ich für 2 Euro bei fotolia gekauft.
Angefertigt hat sie dann wiederum ein Freund mit passender Maschine. Ohne
Freund kostet so eine Schablone ca. 70 Euro. Einfache grafische Muster
kann man selbst aus stabiler Pappe ausschneiden, dann kostet's nix.

Gar nicht mal so billig waren die Spraydosen. Völlig ohne Absicht haben
wir zu einer derart umweltfreundlichen Farbe gegriffen, dass, laut Verkäuferin,
im Garten weilende Kleinkinder sogar den Boden ablecken könnten, ohne
Schaden zu nehmen. Gekostet hat der Spass ca. 100 Euro. Beim nächsten
mal würde ich keine Spraydosen mehr verwenden. Mit Lack und einem kleinen
Farbroller müsste es auch und vielleicht sogar besser funktionieren.

Die Sofaauflagen waren letztlich der größte Einzelposten. 135 Euro haben
wir dafür ausgegeben. Damit schlägt das Sofa mit ca. 185 Euro
und der bunte Fliesenboden mit ca. 100-170 Euro zu Buche.

Das Endergebnis kann sich sehen lassen, oder?
Total chillig!
Die ehemalige Schmuddelecke avanciert mit der Palettenlounge und dem
bunten Fliesenboden zum Lieblingsplatz im ganzen Horrorgarten.
Wer wird denn da noch in die Luft gehen :))

Mittwoch, 29. Mai 2013

The Chelsea Flower ShowowWOW!



Zugegeben, es ist mir nicht ganz leicht gefallen den Horrorgarten mitten im Mai für eine ganze Woche alleine zu lassen.

Die Tulpen verfeuern ihr letztes Pulver. Der Zierlauch ist auf dem Sprung. Das tränende Herz ergießt sich in rosafarbenen Kaskaden. Und über allem schweben Wolken himmelblauer Vergissmeinnicht.

Unvorstellbar, dass alle meine Lieben auch ohne mich weiterblühen, wachsen und welken. Unvorstellbar aber auch, dass zur gleichen Zeit in London die Chelsea Flower Show ohne mich statt findet. Und außerdem – im Vergleich mit den dort gezeigten zauberhaften Blumenkompositionen wirkt die ganze Pracht im Horrorgarten letztlich wie die Strichzeichnung einer Dreijährigen.

Der Blick aufs Thermometer tut ein Übriges. Knapp zweistellig, Regen, Wolken – wer mag da schon im Garten umherwandeln.  Oder wenn, dann wenigstens in einem vollkommenen, in dem vom Regen zerzauste Tulpen am nächsten Tag, wie von Zauberhand, wieder perfekt in Blüte stehen.

Auf nach London also. Auf zur Mutter aller Gartenschauen. Auf zur Chelsea Flower Show!

Auf den letzten Metern bis zum Eingang verspüre ich tatsächlich ein Kribbeln von Kopf bis Fuß. Nicht ganz auszuschließen, dass die unterirdischen Temperaturen einen gewissen Anteil daran haben. 

Was für ein Unterschied zum letzten Jahr. Bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen von über 20 Grad Celsius war ich umgeben von Massen farbenfroher, floraler Kleiderstoffe und riesigen Hüten. Das ein oder andere exzentrische Outfit kann ich zwar erspähen, aber bei miesem Wetter neigen offensichtlich auch englische Ladys und Lords zu wetterfester, wärmender Kleidung. Passend dazu ist die auffälligste Erscheinung dann auch ein in rot-orange gekleideter Herr mit farblich perfekt abgestimmter Pudelmütze. Mein Plan ihn zu interviewen scheitert jedoch an der Zeit, die mein Hirn braucht sich die passenden englischen Wörter zurecht zu legen. Bevor mein Mund sich öffnet ist er schon in der Menge verschwunden. Der Knipser war schneller, deshalb kann ich zumindest ein Foto vom diesjährigen Chelsea-Style zeigen.

lasst euch von den nackten Beinen im Hintergrund nicht irritieren,
die Handschuhe waren den Temperaturen angemessener :)
Aber eigentlich soll es hier ja in erster Linie um Blumen gehen. In einem einzigen Beitrag lässt sich die unglaubliche Fülle allerdings kaum unterbringen. Deshalb fürs erste ein kurzer Abriss meiner Lieblings-Schaugärten. 

(Einschub für CFS-Neulinge: gezeigt werden Schaugärten etablierter Gartengestalter, ein paar Gärten von Nachwuchstalenten diverse Künstlergärten, die sogenannten Artisan Gardens und ein paar kleine Generationengärten in Handtuchgröße mit moderatem Pflegeaufwand, außerdem stellen im großen Pavillon eine Vielzahl von Spezialanbietern ihre Pflanzen zur Schau.)

Also, hier sind sie meine Top-Drei-Schaugärten:

Mein absoluter Favorit ist der Homebase Garden unter dem Motto "Sowing the seeds of change" gesponsert von der Alzheimer Gesellschaft. Das liegt zum einen an der genialen Vermischung von Gemüse und Blumen und zum anderen an dem wunderschönen handgearbeiteten Bienenkorb, der dort einen zentralen Platz einnimmt. Vor allem die Kombination von Rosmarin und Katzenminze hat es mir angetan. Eine niedrige duftende Hecke in grün und lila, das ist genau das, was dem kleinen Horrorgarten noch fehlt.

In so einem Bienenkorb möchte man doch gerne Biene sein, oder?

Rosmarin und niedrige Katzenminze - einfach schön!

Zuckererbsen, Rosmarin und Ziersalbei, die Roten Bete im
Vordergrund sind leider nicht zu sehen - dekorativ und lecker.

Direkt danach auf Platz zwei das absolute Gegenteil, der Telegraph Garden von Christopher Bradley-Hole. Ein formales Meisterwerk von eigenartiger Anziehungskraft. Eigentlich gar nicht mein Stil. Sauber geschnittene Quader, verschiedene Pflanzen, verschiedene Grüntöne, verschiedene Höhen. Dazwischen eine Wasserrinne, einige Quadrate mit wildem Bewuchs und ein paar wenigen Farbtupfern. Trotzdem war ich fasziniert von der fast meditativen Stille die von dem Werk ausging. Kaum zu transportieren in Bildern. Wahrscheinlich ein Fall von "muss man selbst gesehen haben".

Drei Farben Grün, Wasser und ein Klecks Farbe.

Geht nur mit einem fest angestellten
Vollzeitgärtner, würde ich vermuten.

Den dritten Platz vergebe ich zu gleichen Teilen an den Brewin Dolphin Garden und den RBC Blue Water Roof Garden. Bei beiden Gärten ist es jeweils nur ein Detail das mich begeistert. Beim Brewin Delphin Garden sind es die flachen in hohem Gras versinkenden Buchsbaumhügel, deren Pflegeaufwand ich mir nicht mal ansatzweise vorstellen will. Beim RBC Blue Water Roof Garden habe ich mich in die wilde Kombination aus der bunten Königskerze "Verbascum phoeniceum violetta" auf der einen Seite und himmelblauem Himalayamohn mit Farnen auf der anderen verliebt. Die Königskerze gehört auf jeden Fall auf meine persönliche must-have Liste. Sie blüht von Mai bis August, wird von Bienen heiß begehrt und da wo es ihr gefällt sät sie sich selbst aus. Der blaue Mohn mag es schattig und ist damit ein heißer Kandidat für die neu angelegte Farnecke im Horrorgarten.

Auch hier ist ein eigener Gärtner sicher hilfreich, damit Buchsbaumhügel
und Gras die Proportionen behalten, muss man wohl mit der
Heckenschere daneben stehen bleiben.

Aber hübsch ist es, zum hinein sinken quasi.

Blühwunder Verbascum phoeniceum violetta 

Menocopsis Lingholm, angeblich sogar einigermaßen winterfest.

Strahlt in reinstem Himmelblau, im Gegensatz zum Himmel über mir :)

So, das sollte fürs erste reichen. Weitere Showhöhepunkte in lockerer Folge, in den nächsten Wochen.





Montag, 13. Mai 2013

Die dümmsten Bauern...

...haben die dicksten Kartoffeln
Falls der Spruch auch im Umkehrschluss gilt, spricht die Größe der von mir in den letzten Jahren geernteten Kartoffeln definitiv für meine hervorragende Bildung. Auf dem Teller macht sich die aber nicht so gut. :)

Vor zwei Jahren war ich zu spät dran mit den ollen Knollen und dann auch noch nachlässig mit dem vielen Unkraut. Das Ergebniss: mickrige Kartoffeln durch die tatsächlich Unkrautwurzeln gewachsen waren.

Letztes Jahr habe ich in Plastik- und Jutesäcke gepflanzt, die aber definitiv zu schattig standen. Den Inhalt der Plastiksäcke konnte ich durch einen Umzug in die Sonne retten. Die Jutesäcke ließen sich leider nicht mehr bewegen. Das Material verrottet verblüffend schnell.

der Nachbarsbaum wirft bald mehr Schatten als erwartet

die stabilen Säcke bekamen dann schnell
einen Platz an der Sonne

In diesem Jahr kommen die Plastiksäcke erneut zum Einsatz und zusätzlich habe ich an der sonnigsten Gartenstelle einen Kartoffelturm gebaut. Bestückt mit Pflanzkartoffeln der Sorte "Roter Erstling" soll er mir helfen endlich den Kartoffelbauer Olymp zu erklimmen.

frisch bepflanzt - der Kartoffelturm

Bauanleitung:
  • Estrichmatte (ca. 2,00x1,50 Meter) besorgen
  • mit Bindedraht zum Zylinder formen
  • Stroh besorgen (getrockneter Grasschnitt, alte Zeitungen oder Pappe geht auch)
  • Boden des Zylinders mit ca. 20-30 cm Stroh, Grasschnitt oder ein paar Lagen Zeitung bedecken
  • Wände ebenfalls mit Stroh, Grasschnitt oder Pappe auskleiden
  • ca. 30 cm Erde oder sehr reifen Kompost einfüllen
  • 5-6 Pflanzkartoffeln am äußeren Rand verteilen
  • mit ca. 30 cm Erde oder sehr reifem Kompost bedecken
  • nächste Schicht Pflanzkartoffeln legen
  • so fort fahren bis der Turm voll ist
  • auf die letzte Erdschicht habe ich Kohlrabi und Salat gepflanzt, in der Hoffnung, dass die Schnecken auf halber Strecke aufgeben :)
  • wird der Turm mit Zeitungen oder Pappe ausgekleidet müssen diese, dort wo die Kartoffeln liegen, geschlitzt werden
  • Turm sehr gut angießen, 30-40 Liter Wasser sollten es schon sein
  • lieber einmal pro Woche kräftig wässern, als immer nur ein bisschen, das Wasser muss ja bis ganz nach unten durchsickern
bei mir sitzen obendrauf Salat und Kohlrabi

hier sind schon die ersten Kartoffeltriebe
 an der Seite zu sehen

inzwischen sieht der Turm so aus,
bald ist er rundum ganz grün


Dienstag, 7. Mai 2013

Rosen, Tulpen, Nelken...


Na, wer weiß wie es weitergeht?
In meinem Poesiealbum war dieser Spruch mindestens fünf mal in leichten Variationen vertreten.

Heute wachsen alle darin genannten Blumen im Horrorgarten und ich weiß inzwischen, dass selbst das Vergissmeinnicht früher oder später verwelkt. Gerade geht es aber ganz und gar nicht ums verwelken. Nachdem die Wildtulpen vor kurzem für Furore gesorgt haben, drängeln nun die anderen Tulpensorten auf die Bühne. Mount Tacoma, Angelique und Negrita blühen um die Wette. Sie springen mit ihrer Blütenfülle vorbei schlendernde Spaziergänger geradezu an. Kaum einer der nicht stehen bleibt und einen zweiten Blick auf die rosa-weiße Pracht wirft.


die weiße Mount Tacoma gibt durch ihre
zahlenmäßige Überlegenheit den Ton an

gefolgt von der zuckersüßen rosa Angelique

der Zwerg genießt und schweigt und versteckt eine
der wenigen violetten Negritas hinter seinem Rücken

irgendwann war die Luft raus beim Zwiebel pflanzen,
der Rest ist daher im Laubkorb gelandet und gibt jetzt das mobile Blütenmeer
und zum Schluss ein wenig Abwechslung vom Tulpeneinerlei,
Vergissmeinnicht vor roter Wolfsmilch und ein paar letzten Helleboren - ein Traum im Abendlicht!



Dienstag, 30. April 2013

First in first out?


Der goldene Leitspruch des gut sortierten Supermarktregals wird im Horrorgarten mal eben ausser Kraft gesetzt. Zumindest in der Tulpenabteilung gilt in diesem Jahr: Last in first out!

Erinnert sich noch jemand an meine ziemlich späte Tulpenpflanzaktion? Nun ratet mal welche Zwiebelchen ihre grünen Blättchen und vor allem ihre herzallerliebsten Blütenköpfe als erstes aus der braunen Wintererde gestreckt haben?

Es war berauschend! Sogar die Bienen und Hummeln sind wie besoffen von Blüte zu Blüte getorkelt. Allerdings war der Spass nach wenigen Tagen bereits vorbei. Lange halten sie nicht die kleinen Wilden. Sind halt echte Rock'n'Roller: live fast die young!

Gut, dass der Mann so schöne Fotos geknipst hat. So kann ich sie noch eine Weile auf meinem Bildschirm bewundern.

Die anderen Sorten stehen übrigens auch schon in den Startlöchern. Ein Tag Sonne und die andere Gartenseite wird sich in ein riesiges Tulpenmeer verwandeln. Ich freu mich schon darauf.

darf ich vorstellen: Hearths Delight mit glückstrunkener Biene

zarte Schönheit mit kompliziertem Namen: Humilis Alba Coerulea 
weckt in Kombination mit dem Gras Sommergefühle

einfach wunderschön!

mit besonders filigranem Laub: Little Beauty

sie teilt den lila Blütengrund mit ihrer weißen Schwester






Montag, 15. April 2013

Gestern auf dem Komposthaufen



Ein wunderbar sonniger Tag im Garten geht zu Ende. Nur noch schnell die Teeblätter auf den Komposthaufen schmeißen. Da finde ich mitten zwischen Eier- und Bananenschalen dieses kleine Fellknäuel. Zu süß um schädlich zu sein. Dachte ich. Nach kurzer Bildrecherche bin ich anderer Meinung. Eine Wühlmaus. Relativ zweifelsfrei. (Bin offen für jede anders lautende Expertenmeinung) Der Todfeind jedes Gemüsegärtners.

Jetzt frage ich mich: hätte ich sie töten können, wenn ich das gestern schon gewusst hätte? Könnte ich das jetzt, falls sie mir noch einmal begegnet?

I very much doubt it! Ich kann ja nicht mal die Mäuse erschlagen, die unsere Katzen in die Wohnung schleppen. Weil ich mein Gemüse aber trotzdem selbst ernten will, versuche ich es zunächst mal mit Vertreibung.

Und warte auf die ersten Holunderblätter. Holunderblätterjauche in Wühlmausgänge gekippt soll die lieben Kleinen vertreiben. Zumindest für eine Weile. Vergorene Buttermilch auch, aber die finde ich zu ekelig. Dann lieber alle paar Wochen Jauche gießen. Erst mal muss ich allerdings die Eingänge zur Wühlmaussiedlung finden. Im Kräuterbeet gibt es einen. Den Zugang zum Hochbeet haben wir bereits versperrt. Und bei den Erdbeeren habe ich letzten Sommer immer mal wieder eine Öffnung gefunden.

Die Schäden halten sich bislang in Grenzen. Ein Teil unseres Wintersalates musste dran glauben, weil das Absperrgitter im Hochbeet defekt war. Sonst wächst eigentlich alles. Auch die vielen vergrabenen Tulpen lassen bereits ihre Spitzen sehen. Scheinbar ist die Population im Horrorgarten noch überschaubar.

Da scheint mir doch ein Zitat des Dichters Ovid passend (auch wenn seine Rezepte der Bekämpfung von Liebeskummer dienten):

„Wehret den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind.“



Rezept für 10 Liter Wühlmausschreck:

- 1kg frische Holunderblätter sammeln
- in ein verschließbares Gefäß geben
- mit 10 Liter Wasser übergießen
- verschlossen zwei Wochen in der Sonne stehen lassen
- Jauche mit Blattresten in Wühlmausgänge gießen

Wir werden sehen ob es funktioniert oder ob ich doch noch die Lizenz zum Töten erwerben muss...


Samstag, 23. März 2013

Wir warten auf's Christkind...


Jetzt mal ehrlich: Der Gedanke könnte einem schon kommen, wenn man so aus dem Fenster rausschaut. Und noch viel mehr wenn man es nicht beim rausschauen belässt und mit dem Fahrrad durch die Kälte fährt.

Trotzdem muss es natürlich heißen: Wir warten auf den Frühling!
Und da sich seine Ankunft aus diversen Gründen bedauerlicher weise verzögert schlage ich vor, dass wir uns bis dahin die Zeit mit lustigen Bastelarbeiten vertreiben.

Ganz konkret heißt das: Wir basteln ein Insektenhotel.

Natürlich gibt es fertige Insektenhotels in allen möglichen Größen, Farben und Formen zu kaufen. Aber wer will schon in einem Fertighaus wohnen. Vor allem, wenn das Selbstbauen so einfach ist und das Baumaterial fast nichts kostet. Oder soundso schon irgendwo rum liegt.

Als Baumaterial eignet sich alles Mögliche: Baumscheiben, Äste, Holzwolle, Holzreste, Paletten, leere Metalldosen, Baumrinde, Stroh, Schilfrohr, Bambusstäbe, Kiefernzapfen, Reisig, Backsteine, Terrakottatöpfe, Lehm.

Eine alte Schublade oder eine ausgediente Holzkiste eignen sich gut als fertiger Rahmen. Ein breiteres Brett als Dach schützt den Eingangsbereich vor Regen. Gefüllt wird der Rahmen mit angebohrten Holzresten, Zweigen, Stroh, Backsteinen und allem was gerade so zur Hand ist. Da die Bauaufsichtsbehörde für Insektenhotels nicht zuständig ist, sind der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Hartholzreste aus Eiche, Buche, Apfelbaum oder Ahorn eignen sich besonders gut, weil sie einfach länger halten als Weichholz. Wichtig ist die Löcher sauber zu bohren. Faserige Eingänge mögen die späteren Bewohner überhaupt nicht. Unterschiedlich groß dürfen bzw. sollen die Löcher aber schon sein. Je nach Durchmesser (2-10 mm) ziehen jeweils andere Insekten ein.

Die rote Mauerbiene ist nicht wählerisch. Sie nimmt sowohl mit Lehm gefüllte Ziegelsteine wie auch Bohrlöcher in Holzresten an. Ihre Verwandten die Löcher-, Scheren-, Blattschneider- und Maskenbienen ziehen letzteres vor. Keulenhornbienen lieben markhaltige Holunderstengel und Holzbienen fliegen auf morsche Baumrindenreste. Allen gemeinsam ist das Motto: „Tust du mir nichts, tue ich dir nichts“. Vor Stichen muss sich wirklich niemand fürchten.

Auch die restlichen Bewohner sind ausgesprochen friedlich, sofern man das Ganze nicht aus Sicht einer Blattlaus betrachtet. Florfliegen stehen auf Rot. Wer die fleißigen Blattlausvertilger als Mieter gewinnen möchte, sollte einen Teil des Hotels (zum Beispiel ein kleines Holzkistchen) mit roter Farbe anzustreichen, mit Einflugschlitzen zu versehen und mit kuscheligem Weizenstroh zu füllen. Die immer hungrigen Ohrwürmer bevorzugen mit Stroh oder Holzwolle ausgestopfte Terrakottatöpfe oder Blechdosen. Obst-, Wiesen- und Waldhummeln nisten gerne in löchrigen Ziegelsteinen. Holz- und Laufkäfer lieben lockere Kiefernzapfen oder Stroh. Während die niedlichen Marienkäfer eher auf die härtere Pinienrinde stehen.

Fazit: Je bunter das Angebot, desto bunter die Bewohner. Multikulti ist im Insektenhotel überhaupt kein Problem. 

Platz für ein kleines Bündel markhaltiger Stengel z.B. vom Holunderbaum ist überall
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